Old-age poverty is female — what you can do about it now

Altersarmut ist weiblich – was du jetzt tun kannst

Fast jede vierte Frau ab 65 Jahren ist in Deutschland von Altersarmut betroffen. Als arm gilt, wer als alleinlebende Person weniger als 1.381 Euro netto im Monat zur Verfügung hat. Das sind keine abstrakten Zahlen, das sind echte Frauen, die ein Leben lang gearbeitet, Kinder großgezogen und Care-Arbeit geleistet haben. Und am Ende trotzdem zu wenig haben.

Das muss nicht so sein. Und es ist nie zu spät, etwas daran zu ändern.

Warum Altersarmut ein Frauenthema ist

Die Ursachen liegen tief – und sie sind strukturell. Frauen haben über Jahrzehnte hinweg eine andere Erwerbsbiografie als Männer: Sie steigen aus dem Job aus, wenn Kinder kommen. Sie arbeiten in Teilzeit, übernehmen den Löwenanteil der Care-Arbeit und kümmern sich später um pflegebedürftige Eltern. All das kostet Zeit, Energie und Karriere,  aber auf dem Rentenkonto hinterlässt es vor allem eines: Lücken.

Männer hingegen bleiben meist das gesamte Berufsleben über in Vollzeit. Sie denken selten daran, für die Kinder den Job aufzugeben. Das Ergebnis: deutlich höhere Renten und deutlich weniger Altersarmut.

Das ist keine Anklage, sondern eine Realität, die wir kennen müssen, um sie verändern zu können.

Der erste Schritt: Kassensturz machen

Bevor du irgendetwas anlegst, investierst oder umschichtest, kommt eine viel unspektakulärere Aufgabe: Schau nach, was du eigentlich hast.

Denn viele Frauen haben mehr Vermögen, als sie denken: Alte Lebensversicherungen, Sparverträge, Erbschaften, Immobilien. Geld, das irgendwo schlummert und kaum Rendite bringt.

Ein paar Fragen, die du dir stellen solltest:

  • Welche Versicherungen habe ich – und brauche ich sie noch?
  • Gibt es Abos, die ich seit Jahren bezahle, ohne sie zu nutzen?
  • Was habe ich über die Jahre angespart – und wie ist es angelegt?

Dieser Überblick ist der Anfang von allem. Und er kostet nichts außer ein paar Stunden Zeit.

ETFs, Aktien, Sparpläne – gar nicht so kompliziert

Das Wort „Aktien" löst bei vielen Frauen sofort ein ungutes Gefühl aus. Was, wenn alles weg ist? Was, wenn ich es falsch mache? Was, wenn ich nicht genug Ahnung habe?

Die gute Nachricht: Du brauchst keine Expertin zu sein. Du brauchst auch kein großes Startkapital. Aktien kann man heute schon ab 20 oder 30 Euro kaufen – über Apps und Online-Broker, die so einfach zu bedienen sind wie ein Online-Shop.

ETFs, börsengehandelte Fonds, sind dabei ein häufig empfohlener Einstieg. Sie bündeln viele Aktien in einem Produkt, streuen das Risiko automatisch und bilden oft einen breiten Index ab. Ein weltweit anlegender ETF-Sparplan, in den du monatlich einen festen Betrag einzahlst, (auch 50 Euro reichen), ist oft ein sinnvoller erster Schritt.

Der Trick dabei: kaufen, liegen lassen, nicht ständig schauen. Denn wer nervös hin und her handelt, verliert. Wer durchhält, gewinnt langfristig.

Frauen sind die besseren Anlegerinnen – wirklich

Es klingt paradox, aber es stimmt: Studien zeigen immer wieder, dass Frauen an der Börse besser performen als Männer. Der Grund? Genau die Eigenschaft, die viele als Schwäche sehen: ihre Vorsicht.

Frauen informieren sich gründlicher, bevor sie eine Entscheidung treffen. Und dann lassen sie ihr Geld in Ruhe arbeiten. Männer hingegen neigen dazu, häufiger zu handeln, Marktbewegungen vorherzusagen und Risiken einzugehen – was langfristig oft schlechter abschneidet.

Die Angst vor dem Verlust, die viele Frauen vom Investieren abhält, ist also gleichzeitig ihr größter Vorteil, wenn sie den ersten Schritt erst einmal gewagt haben.

Kinder, Karriere und das schlechte Gewissen

Wer Kinder und Beruf vereint, kennt dieses Gefühl: zerrissen zu sein. Der Schulausflug, bei dem man nicht dabei war. Der Kuchen, den man nicht gebacken hat. Die Frage, die man sich irgendwann stellt – war ich eine gute Mutter?

Interessant dabei: Männer stellen sich diese Frage kaum. Sie empfinden vielleicht Wehmut über verpasste Zeit. Aber das nagende Schuldgefühl, das so viele Mütter kennen, ist ein zutiefst weibliches Phänomen.

Dabei ist das, was berufstätige Mütter ihren Kindern mitgeben, unbezahlbar: Sie zeigen, dass Frauen eigenständig, kompetent und erfolgreich sein können. Dass beides geht. Dass man nicht wählen muss.

Und wenn die Kinder irgendwann sagen: „Du warst unser bestes Vorbild", dann war es das wert.

Money Positivity: Das neue Mindset für Frauen

Geld ist in unserer Gesellschaft oft entweder Tabu oder Extrem. Entweder schweigen wir darüber, oder wir sehen Bilder von Luxus, der unerreichbar wirkt. Beides hilft nicht.

Was hilft: Eine positive, entspannte Beziehung zum Geld. Werkzeug statt Angstthema. Etwas, das man verstehen, gestalten und genießen kann.

Das bedeutet auch: Geld ausgeben darf Freude machen. Wir müssen nicht alles sparen und alles vererben. Wir leben länger als je zuvor und wir dürfen dieses Leben auch finanziell gestalten.

Money Positivity heißt: Schau hin, statt wegzuschauen. Fang klein an, statt auf den perfekten Moment zu warten. Und glaub daran, dass mehr möglich ist, als du gerade denkst.

Drei Dinge, die du jetzt tun kannst

Egal ob du 30, 45 oder 60 bist, diese drei Schritte helfen dir, dich finanziell besser aufzustellen:

  • Mach einen Kassensturz. Räum die Ordner raus, schau, was du hast. Versicherungen, Sparverträge, Abos – was ist noch sinnvoll, was kann weg?
  • Leg regelmäßig an. Kündige ein Abo, das du nicht mehr nutzt, und steck dieses Geld monatlich in einen ETF-Sparplan. 50 Euro reichen zum Anfangen.
  • Ändere dein Mindset. Geld ist kein Angstthema. Es ist ein Werkzeug – und du kannst lernen, damit umzugehen. Schritt für Schritt.

Lust auf mehr? Glow Up Your Life!

Wenn dich das Thema bewegt, hör gerne in die aktuelle Folge “Warum Altersarmut weiblich ist – und wie du finanzielle Verantwortung übernimmst" von Glow Up Your Life rein. Katja Burkhardt spricht dort mit Carola Ferstl offen und auf Augenhöhe über Altersarmut, Finanzbildung und die Frage, warum es wirklich nie zu spät ist, die eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen. Alle Folgen findest du in der Overview.

Wer ist Carola Ferstl? Carola Ferstl ist seit über 30 Jahren eine der bekanntesten Finanzjournalistinnen und TV-Moderatorinnen Deutschlands. Sie hat mehrere Bücher zu den Themen Geld, Börse und finanzielle Bildung geschrieben – viele davon speziell für Frauen – und betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem sie komplexe Finanzthemen verständlich und alltagsnah erklärt. Mit 57 Jahren, drei Kindern und einer langen Karriere weiß sie aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, Beruf, Familie und finanzielle Eigenverantwortung unter einen Hut zu bringen. Sie ist eine der profiliertesten Stimmen, wenn es darum geht, Frauen finanziell zu stärken  und das mit einer Klarheit und Herzlichkeit, die ansteckend ist.

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