What you should know before the wedding—and might regret not knowing afterward

Was du vor der Hochzeit wissen solltest – und danach vielleicht bereust, es nicht gewusst zu haben

Heiraten ist schön. Romantisch, aufregend, voller Hoffnung. Aber Heiraten ist auch ein Rechtsgeschäft. Und wer das ignoriert, zahlt im Zweifel einen hohen Preis, oft erst Jahre oder Jahrzehnte später.

In Deutschland wird jede dritte Ehe geschieden. Im Durchschnitt hält sie 15 Jahre. Das sind keine Zahlen, um Angst zu machen. Aber sie sind ein Grund, sich zu informieren, bevor man Ja sagt oder auch danach, wenn man es noch nicht getan hat.

Warum Scheidung immer noch ein Tabuthema ist

Wer sich scheiden lässt, spricht nicht gerne darüber. Das Gefühl des Scheiterns sitzt tief, besonders wenn man lange für die Beziehung gekämpft hat. Dabei ist eine Scheidung in vielen Fällen kein Versagen, sondern eine mutige Entscheidung, das eigene Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Was viele nicht wissen: Eine Trennung kann sich schlimmer anfühlen als ein Todesfall. Man verliert nicht nur den Partner, sondern das gesamte Leben, das man sich vorgestellt hat. Und trotzdem oder gerade deswegen ist es wichtig, in diesem Moment klar zu denken und sich rechtlich abzusichern.

Der häufigste Fehler: Nichts wissen und nichts tun

Wer mit dem Gedanken spielt, sich zu trennen, sollte sich zuerst informieren, bevor die Trennung ausgesprochen wird. Das klingt kühl, ist aber entscheidend.

Denn: Wer überstürzt die Wohnung verlässt, verliert nach sechs Monaten seinen rechtlichen Anspruch darauf. Wer nicht weiß, welche finanziellen Ansprüche ihm zustehen, kann sie nicht einfordern. Und wer glaubt, ein gemeinsamer Anwalt für beide Seiten sei eine gute Idee, irrt grundlegend. Es gibt keinen gemeinsamen Anwalt für Eheleute. Jeder braucht eine eigene Interessenvertretung.

Die wichtigste Regel lautet daher: Informiere dich, bevor du handelst.

Was bei einer Scheidung wirklich passiert

Viele Menschen haben eine vage Vorstellung davon, was eine Scheidung bedeutet. Die Realität ist komplexer:

  • Das Trennungsjahr ist in Deutschland Pflicht. Bevor ein Scheidungsantrag gestellt werden kann, müssen die Eheleute mindestens ein Jahr getrennt gelebt haben. Auch unter einem Dach ist das möglich, wenn man nachweislich getrennte Haushalte führt.

  • Der Versorgungsausgleich wird automatisch mit jeder Scheidung durchgeführt. Alle Rentenanwartschaften, die während der Ehezeit erworben wurden, werden geteilt. Das passiert von Amts wegen, ohne dass man aktiv werden muss.

  • Zugewinnausgleich und nachehelicher Unterhalt hingegen müssen aktiv beantragt werden. Wer das nicht weiß, verliert möglicherweise Ansprüche, die ihm zustehen würden.

Die Kosten einer Scheidung richten sich nach dem gemeinsamen Nettoeinkommen beider Eheleute. Als grobe Orientierung gilt: Bei einem gemeinsamen monatlichen Nettoeinkommen von 5.000 Euro sind Gesamtkosten von rund 3.500 Euro realistisch, wenn nur die Scheidung selbst und der Versorgungsausgleich geregelt werden. Gerichtskosten teilen sich beide Eheleute, Anwaltskosten trägt jeweils der, der den Anwalt beauftragt.

Wer sich die Kosten nicht leisten kann, hat die Möglichkeit, Beratungshilfe oder Verfahrenskostenhilfe zu beantragen.

Der Ehevertrag: Nicht unromantisch, sondern klug

Wer einen Ehevertrag abschließt, geht nicht davon aus, dass die Ehe scheitert. Wer sich anschnallt, geht auch nicht davon aus, dass er einen Unfall baut. Es ist einfach Vorsorge.

Trotzdem ist der Ehevertrag in Deutschland nach wie vor negativ besetzt. Das hat historische Gründe: Lange Zeit wurde er vor allem vom wirtschaftlich stärkeren Partner, meist dem Mann, eingefordert, um sich selbst abzusichern. Das hat sich verändert. Heute ist ein Ehevertrag ein Instrument für beide Seiten.

Was hineingehört, ist individuell und hängt von der Lebenssituation ab. Wer zu Hause bleibt und Kinder betreut, braucht andere Regelungen als jemand, der ein eigenes Unternehmen aufbaut. Wichtig ist grundsätzlich, dass Frauen sich fragen: Wo stehe ich, wenn ich nicht geheiratet und keine Kinder bekommen hätte? Dieses Gap, also der finanzielle Unterschied zwischen beiden Szenarien, ist das, was abgesichert werden sollte.

Auch wer schon länger verheiratet ist, kann einen Ehevertrag noch abschließen oder einen bestehenden anpassen. Es ist nie zu spät, die Dinge klar zu regeln.

Altersarmut ist weiblich – und kein Zufall

Jede fünfte Frau in Deutschland ist von Altersarmut betroffen. Das ist kein Schicksal, das ist das Ergebnis von jahrzehntelanger unsichtbarer Arbeit, reduzierten Arbeitsstunden wegen Kinderbetreuung, finanzieller Abhängigkeit vom Partner und fehlender Absicherung im Trennungsfall.

Frauen, die in einer Ehe ihren Job reduzieren oder ganz aufgeben, zahlen dafür langfristig einen Preis, der oft erst im Alter sichtbar wird. Genau deshalb ist es so wichtig, frühzeitig über Geld zu sprechen, auch in der Partnerschaft. Und genau deshalb sollte man als Frau immer über ein Mindestmaß an finanzieller Eigenständigkeit verfügen.

Grey Divorce: Wenn Frauen mit 60 noch mal neu anfangen

Ein Trend, der sich in den Statistiken klar abzeichnet: Immer mehr Frauen lassen sich im höheren Alter scheiden. Man nennt das Grey Divorce, die graue Scheidung.

Der Grund ist naheliegend. Wer mit 60 noch 25 oder 30 Lebensjahre vor sich hat, denkt anders über die Frage nach, ob man diese Zeit wirklich in einer Beziehung verbringen möchte, die nicht mehr stimmt. Frauen, die wirtschaftlich unabhängiger sind als frühere Generationen, ziehen diese Konsequenz heute häufiger. Das ist kein Scheitern. Das ist Selbstbestimmung.

Was nach der Scheidung kommt

Die Scheidung selbst ist ein emotionaler Moment. Viele beschreiben ihn als das Ende einer Ära, auch wenn die Trennung längst vollzogen war. Aber was danach kommt, überrascht viele positiv.

Denn in der Zeit zwischen Trennung und Scheidungstermin passiert etwas: Menschen verändern sich. Frauen machen Pläne, entdecken neue Stärken, bauen sich ein neues Leben auf. Und kaum jemand schaut zurück und sagt, er würde es rückgängig machen wollen. Auch nicht diejenigen, die verlassen wurden.

Scheidungspartys, das Verbrennen des Brautkleids, das Feiern mit Freundinnen vor dem Gerichtsgebäude: Was in den USA schon länger Tradition ist, kommt auch in Deutschland immer mehr an. Und warum nicht? Wer einen schweren Weg hinter sich hat, darf das feiern.

Was du für dich mitnehmen kannst

Drei Dinge, die sich lohnen zu verinnerlichen:

Erstens: Informiere dich, bevor du handelst. Wissen schützt. Unwissenheit kostet.

Zweitens: Ein Ehevertrag ist kein Misstrauensvotum. Er ist ein Zeichen dafür, dass du dich und deine Zukunft ernst nimmst.

Drittens: Frauen dürfen sein, wer sie sind. Ob pink gekleidet oder im Hosenanzug, ob alleinerziehend oder frisch verheiratet. Niemand darf dich auf ein Klischee reduzieren und niemand darf dich kleinmachen.

Interesse geweckt? Glow Up Your Life!

Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest, hör gerne in die aktuelle Folge “Scheidungsgespräch vor der Hochzeit” von Glow Up Your Life rein. Katja Burkardt spricht dort mit Saskia Schlemmer über alles, was Frauen vor, während und nach einer Scheidung wissen sollten, von Ehevertrag über Grey Divorce bis hin zur Frage, wie man fair und möglichst unbeschadet durch eine Trennung kommt.

Saskia Schlemmer ist Rechtsanwältin und als die Scheidungsanwältin bekannt, auch weit über ihre Kanzlei hinaus. Mit einer starken Präsenz auf Social Media macht sie Familienrecht für alle zugänglich und spricht Klartext über Themen, über die viele lieber schweigen. Ihr Buch trägt den Titel, der alles sagt: Das Buch, das du vor deiner Hochzeit gelesen haben solltest.

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