Older woman's hands

Altersarmut ist weiblich. Und das müssen wir ändern

2,1 Millionen Frauen ab 65 Jahren leben in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze. 62 Prozent aller von Altersarmut Betroffenen sind weiblich. Jede fünfte Frau über 65 kann sich ihren Alltag kaum noch leisten. Das sind keine abstrakten Zahlen. Das sind unsere Mütter, Nachbarinnen, Kolleginnen. Und möglicherweise eines Tages: wir selbst.

Altersarmut bei Frauen ist kein Randphänomen. Sie ist eine gesellschaftliche Realität, die viel zu selten laut ausgesprochen wird.

Warum trifft Altersarmut vor allem Frauen?

Die Antwort liegt in unserer Biografie. Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger, für Kinder, für pflegebedürftige Angehörige, für die Familie. Sie arbeiten öfter in Teilzeit. Und sie verdienen in gleichen Positionen nach wie vor weniger als Männer. All das summiert sich über Jahrzehnte zu einer massiven Rentenlücke.

Ein konkretes Beispiel macht das erschreckend deutlich: Wer 40 Jahre lang rund 4.150 Euro brutto im Monat verdient, das entspricht etwa dem deutschen Durchschnittslohn, geht mit einer Nettorente von gerade einmal 1.399 Euro in den Ruhestand. Davon eine Miete, Lebensmittel, Medikamente und ein bisschen Leben finanzieren? Kaum möglich.

Für Frauen, die zusätzlich Pausen eingelegt oder in Teilzeit gearbeitet haben, sieht die Rechnung noch düsterer aus.

Der Gender Pension Gap: eine Zahl, die wachrüttelt

Laut Statistischem Bundesamt lag der Gender Pension Gap im Jahr 2024 bei 36,9 Prozent. Das bedeutet: Frauen erhalten im Schnitt mehr als ein Drittel weniger Rente als Männer.

Maßnahmen wie die Mütterrente sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie kratzen nur an der Oberfläche. Solange Frauen weniger verdienen, weniger Rentenpunkte sammeln und ihre Care-Arbeit finanziell kaum anerkannt wird, bleibt die Lücke groß.

Arm, aber unsichtbar: die stille Realität

Viele Frauen, die von Altersarmut betroffen sind, sieht man es ihnen nicht an. Sie pflegen ihre Kleidung sorgfältig, gehen gepflegt aus dem Haus und kämpfen gleichzeitig darum, ob sie sich die Butter kaufen können. Sie heizen erst, wenn es unter zehn Grad in der Wohnung hat. Sie verzichten auf Arztbesuche, auf soziale Aktivitäten, auf alles, was nicht unbedingt nötig ist.

Und sie schweigen. Aus Scham. Weil sie ihr Leben lang gearbeitet haben und es sich nicht vorstellen können, jetzt als Bittsteller zum Amt zu gehen.

Das Grundsicherungsamt geht davon aus, dass 6,50 Euro am Tag für Essen und Trinken ausreichen. Diese Zahl spricht für sich.

Was kannst du jetzt tun?

  • Finanzielle Eigenständigkeit: Verlasse dich nicht ausschließlich auf einen Partner oder den Staat. Informiere dich frühzeitig über deine Rentenanwartschaften und private Vorsorgeoptionen.

  • Kleine Schritte zählen: Auch 10 oder 20 Euro monatlich können über Jahre einen Unterschied machen. Wichtig ist, anzufangen.

  • Unterstützung annehmen: Es ist keine Schande, Hilfe zu beantragen. Wohngeld, Grundsicherung, MVV-Vergünstigungen: Diese Leistungen existieren, weil du ein Leben lang eingezahlt hast.

  • Offen sprechen: Mit Freundinnen, mit der Familie. Scham schweigt. Gemeinschaft hilft.

Auch die Glow25 Foundation setzt hier an. Mit konkreten Projekten und Initiativen unterstützt sie Frauen dabei, finanziell selbstbestimmt zu leben – und setzt sich für mehr Sichtbarkeit von Themen wie Altersarmut ein. Mehr dazu erfährst du auf foundation.glow25.de.

Was sich strukturell ändern muss

Individuelle Vorsorge ist wichtig, aber sie allein löst das strukturelle Problem nicht. Was es braucht: echte Lohngleichheit, eine Anerkennung von Care-Arbeit im Rentensystem und eine Mindestrente, die ein Leben in Würde ermöglicht. 1.500 Euro netto klingt nicht nach Luxus, wäre aber für viele Frauen ein echter Wendepunkt.

Solange der Gender Pay Gap existiert, wird es auch den Gender Pension Gap geben. Das ist keine Frage von Feminismus. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Hinschauen statt wegschauen

Altersarmut kann jeden treffen. Die Frau, die Flaschen sammelt, tut das vielleicht, um dem Enkel zu Weihnachten ein kleines Geschenk kaufen zu können. Die ältere Dame im Supermarkt, die die Butter zurücklegt, hat vielleicht 40 Jahre lang gearbeitet und Steuern gezahlt.

Wir schulden diesen Frauen Respekt, Sichtbarkeit und eine Gesellschaft, die nicht wegschaut.

Interesse geweckt? Dann hör rein in Glow Up Your Life!

Wenn dich das Thema bewegt, hör gerne in die aktuelle Folge Frauen-Rente – Arm im Alter? von Glow Up Your Life rein. Gastgeberin Katja Burkard spricht dort mit Lydia Staltner über die Gesichter der Altersarmut, die Realität hinter den Zahlen und darüber, was wir als Gesellschaft ändern müssen. 

Lydia Staltner gründete 2003 den gemeinnützigen Verein Lichtblick Seniorenhilfe e. V., der tausende ältere Menschen unterstützt, die von Altersarmut betroffen sind. Für ihr Engagement wurde sie u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz, der Bayerischen Staatsmedaille und dem Titel „Heldin des Alltags" der Bild der Frau ausgezeichnet. Sie weiß aus über zwei Jahrzehnten täglicher Arbeit, wie Altersarmut wirklich aussieht und was Menschen in dieser Situation brauchen.

Die Folge findest du auf all diesen Podcast-Plattformen:

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